Stress Testing

Einführung Stresstest

Ein wesentlicher Auslöser für die Entwicklung von Stresstests im Risikomanagement von Banken war das Problem, das Risikomodelle und gängige VaR-Ansätze in der Regel nur die normalen Marktschwankungen adäquat modellieren und Extremszenarien hierbei nur unzureichend berück­sichtigten. Das primäre Ziel von Stresstests ist es, die Auswirkung von Krisen­ereignissen, z.B. Börsencrash, Zins- und Wechselkursschock oder wirtschaftliche Rezession auf den Wert eines bestimmten Portfolios oder dem Gesamtportfolio einer Bank zu überprüfen und die möglichen Verluste zu bestimmen. Stresstests werden für die Analyse und Überwachung einzelner Geschäftsrisiken verwendet. In der bankbetrieblichen Praxis haben sich Stresstests bereits für das Markt- und Liquiditätsrisiko durchgesetzt. Im Zuge der Umsetzung der aufsichtsrecht­lichen Anforderungen, wie z.B. der SolvV oder der neuen GroMiKV, werden Stresstestverfahren bei Anwendung eines der auf einem internen Rating basierenden Ansätze (IRBA) auch für das Kreditrisiko sowie für das operationelle Risiko in Banken obligatorisch. Bei der Konzipierung von Stresstests für Kreditrisiken werden Krisenereignisse auf bestimmte Risikofaktoren über-führt. Diese Risikofaktoren werden im Rahmen des betrachteten Geschäftsrisikos in das Stresstestszenario implementiert. Risikofaktoren können dabei sowohl Marktparameter als auch Modellparameter sein. Marktparameter sind Kenngrößen wie z.B. Zinskurven oder Inflationsraten, welche direkt am Markt beobachtet und gemessen werden können. Modellparameter sind Kenn­größen, wie z.B. Korrelationen, welche im Rahmen eines Stresstestmodells aus Marktparametern oder anderen Modellparametern ermittelt werden. Ein Überblick zu relevanten Geschäftsrisiken im Bankensektor und entsprechenden Risikofaktoren wird in der nachfolgenden Übersicht gegeben.

Stresstestmethoden

Es werden grundsätzlich zwei Arten von Stresstests unterschieden. Es gibt zum einen die Sensi­tivitätsanalysen, welche den isolierten Einfluss einer Extremveränderung eines Risikofaktors auf die Zielgröße untersucht. Diese Methode wird auch univariater Stresstest genannt. Bei der Sze­nario­­­analyse wird der Einfluss von gleichzeitigen Extremveränderungen mehrerer Risikofaktoren und gegebenenfalls deren Korrelationsbeziehungen auf die Zielgröße untersucht. Diese Methode wird auch multivariater Stresstest genannt.

Ein Beispiel für einen univariaten Stresstest im Rahmen der Kreditrisiken kann die Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Portfolio sein. Diese Vorgehensweise ist einfach um­zusetzen. Ein wesentlicher Nachteil dieser Methode ist die separate Betrachtung eines einzelnen Risikofaktors und dabei die Nichtberücksichtigung anderer Risikofaktoren und deren Korrelationen.

Durch die Anwendung (multivariater) Szenarioanalysen sind auf jeden Fall realitätsnähere Ergebnisse zu erzielen als mit univariaten Szenarien, da mehrere Risikofaktoren zur Abbildung eines Extremszenarios verwendet werden und außerdem Korrelationsbeziehungen in die Berechnung eingehen. Portfoliounabhängige Stresstests sind nicht für ein spezielles Portfolio konzipiert und können als Makrostresstest (z.B. tiefe Rezession, Ölpreisschock) sowie historisches (z.B. Aktiencrash 10/87) oder als standardisiertes Szenario gestaltet sein. Der Vorteil dieser Verfahren besteht in der guten Vergleichbarkeit von Kreditinstituten über die Zeit. Nachteilig sind sicherlich die Nichtberücksichtigung portfoliospezifischer Charakteristika (wie z.B. bei Spezialfinanzierungen) und die Beschränkung auf historische Ereignisse.

Bei der Umsetzung von portfolioabhängigen Szenarien wird in der Regel auf qualitative oder die quantitative Szenariobildung zurückgegriffen. Bei der qualitativen Szenariobildung  werden Stress-Szenarien durch ein Expertengremium festgelegt. Der Vorteil besteht hier in der Einbindung von Experten. Der Nachteil liegt hingegen in der Beliebigkeit der Szenarien, welcher eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Kreditinstituten über die Zeit nicht zulässt. Die quantitative Szenariobildung nutzt die empirische Verteilung des Portfolios, wobei für jeden Risikofaktor ermittelt wird, ob eine Erhöhung oder Verringerung um k Standardabweichungen einen Verlust auslöst. Anschließend wird ein Szenario aus den adversen Veränderungen gebildet. Ein Vorteile dieser auch als Factor-Push Methode bezeichneten Vorgehensweise liegt in der einfachen Berechenbarkeit. Ein Nachteil ist hierbei aber, dass z.B. bei nichtlinearen Positionen eine extreme Faktorbewegung nicht zwingend eine extreme Portfoliobewegung erzeugt. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick zur Stresstestsystematik.

Für nähere Informationen stehen Ihnen folgende Ansprechpartner zur Verfügung:

Torsten Kemps-Benedix

Mobil: +49 (163) 360 17 01

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