
SKS-LiqRisk-Maturitätsmatrix
Die jüngste Vergangenheit (z.B.: Subprime-Krise) zeigte, dass die ausschließliche Berücksichtigung der gegenwärtigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an das externe Reporting deutlich zu kurz greift und Banken nicht ausreichend geschützt sind. Letztlich wird eine solche Behandlung weder dem Stellenwert des Themas Liquiditätsrisikos per se, noch im Vergleich zu den praktizierten Anstrengungen im Bereich Kredit- und Marktrisiko gerecht. Dies erkannten auch die Gesetzgeber und bringen dies nicht zuletzt aufgrund der beschlossenen Anforderungen im Rahmen von Basel III zum Ausdruck.
Es gibt viele Methoden um Liquidität und das damit verbundene Risiko zu messen. Während einfachere Methoden (z.B.: Liquiditätsablaufbilanzen) ungenau sind und der Veranschaulichung auf eher abstrakter Ebene dienen, können mittels statistischer Modelle (z.B.: Liquidity-at-Risk) Liquiditätsbedarf und Liquiditätsrisiko ziemlich exakt ermittelt werden. Diese Modelle bedingen allerdings eine verzahnte, systemorientierte Sichtweise auf Datenhaltung, Organisation und Management sowie Prozesse. Wie die „Principles for Sound Liquidity Risk Management and Supervision“ (http://www.bis.org/publ/bcbs144.pdf) fordern, ist eine näherungsweise exakte Messung nur der erste Schritt, welcher durch die Einbettung in die Gesamtabläufe (bis hin zur Produktentwicklung und der Preisgestaltung) methodisch und prozessual fortgesetzt werden muss.
Es besteht also nebst der Herausforderung einer möglichst genauen Quantifizierung von Liquidität und Liquiditätsrisiko, die weiterführende Herausforderung in der Anbindung des Liquiditätsrisikomanagements an die Gesamtbanksteuerung. – auch im Sinne einer Angleichung der Behandlung von LiqRisk im Verhältnis zu Kredit- oder Marktrisiko.
Ist die Quantifizierung des Liquiditätsrisikos ungenau oder nicht umfassend, läuft die Bank Gefahr eine Steuerung auf Basis falscher Informationen durchzuführen. Ist die Quantifizierung der Liquidität genau, aber eine Einbindung des Liquiditätsrisikomanagements in die Gesamtbanksteuerung nicht oder nicht umfassend gegeben, werden wichtige Steuerungsimpulse nicht gewürdigt. In diesem Fall ist dann auch eine Minimierung und effiziente Steuerung des Liquiditätsrisikos nicht möglich. Dadurch würde die Bank nicht nur eine zu betrachtende Größe vernachlässigen, die als eine Kernkompetenz einer Bank anzusehen ist, sondern sogar einen möglichen Wettbewerbsfaktor unbedacht lassen.
Es fragt sich daher auf praktischer Ebene, wie gegenwärtiges „Ist“ mit künftigem „Soll“ dargestellt und verglichen werden kann.
Die SKS-LiqRisk-Maturitätsmatrix stellt die beiden Komponenten (i) Quantifizierung des Liquiditätsrisikos und (ii) Einbindung des Liquiditätsrisikomangements in die Gesamtbank-steuerung gegenüber. Sie veranschaulicht damit einerseits auf zwei getrennten, andererseits auf einer übergeordneten Ebene die Qualität des gegenwärtig vom Unternehmen gelebten Liquiditätsrisikomangements (= Ist-Situation). Zusätzlich zeigt die SKS-LiqRisk-Maturitätsmatrix Entwicklungspotentiale sowohl im Bereich Quantifizierung und Anbindung an die Gesamtbanksteuerung auf (= Soll-Situation). Sie erleichtert darüber hinaus aber auch die Einordnung regulatorische Anforderungen und den damit verbundenen Handlungsbedarf auf quantitativer und qualitativer Seite.
Die SKS-LiqRisk-Maturitätsmatrix lässt sich in vier Quadranten einteilen.

- Quadrant 1 – LiqRisk als aufsichtsrechtliche Pflichtaufgabe
Sowohl die Anbindung an die Gesamtbanksteuerung als auch die quant. Möglichkeiten werden nicht ausreichend genutzt. Liquiditätsrisiko wird im Wesentlichen nur im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Anforderungen betrieben
- Quadrant 2 – Wissen ohne Nutzung
Obwohl die quant. Methoden im Bereich LiqRisk gut ausgearbeitet und eingesetzt werden, mangelt es an der Integration der Erkenntnisse in die Gesamtbanksteuerung. - Quadrant 3 – Steuerung ohne Wissen
Obwohl eine Anbindung des Liquiditätsrisikos an die Gesamtbanksteuerung gegeben ist, hinken die quant. Möglichkeiten im Bereich LiqRisk den Standards im Bereich Kredit- bzw. Marktrisiko hinterher. Eine effiziente Steuerung ist nicht möglich. - Quadrant 4 – LiqRisk als Wettbewerbsvorteil
Die gleichberechtigte Bedeutung von LiqRisk neben Kredit- bzw. Marktrisiko wird umfassend gewürdigt; Optimierungspotenziale sind aktuell nur marginal gegeben.
Dabei zeigt der Weg von Q1 (minimum) bis Q4 (maximum oder besser: optimum) vor allem auch einen stetig steigenden Anteil an abteilungsübergreifenden Aktivitäten und angestrebtem bzw. erzielbarem Nutzen auf Gesamtbankebene. Hierdurch wird eine Verlagerung vom reinen operativen Messen zum strategisch-integrativen Steuern möglich.
Die einfache Handhabung und klare Darstellung erlaubt es zusätzlich, Benchmarking zu betreiben. Dies haben wir als Beratungsunternehmen in 2010 – für die Bankbranche und ausgewählte Teilnehmer – durchgeführt. Die folgende anonymisierte Darstellung verdeutlicht sowohl das Ergebnis an sich, als auch das dahinter stehende Prinzip sowie den Nutzen der gewählten Darstellungsform:
Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutlich, dass eine umfassendere Quantifizierung des Liquiditätsrisikos in der Regel in der Praxis mit einer höheren Anbindung des Liquiditätsrisikos an die Gesamtbanksteuerung einhergeht.

